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Sandmann-Irrläufer

Auch in Borsdorf gibt es Steppkes, die ihre Bilder an den Sandmann schicken wollen. Der Sandmann mag Kinder zwar sehr gerne, hat aber eine berechtigte Furcht, unter der Lawine der Einsendungen verschüttet zu werden, wie dieser Eintrag vor neun Monaten schildert.

Nun gibt es aber das Netz und es gibt dieses in zarten Ansätzen googleoptimierte Blog. Dass die Suchergebnisse zwischen Kindergarten und Haushalt schon mal zu Verwirrungen führen können, kann ich mir lebhaft vorstellen. Und so lag heute in unserem Briefkasten ein Maxibrief an “Jens Fliege” vom Baumhaus-Team.

Post für den Sandmann

Dieser Art von Irrläufern bin ich bislang nur einmal auf meinem Anrufbeantworter begegnet, doch da war der Bezug deutlich klarer.

Der Brief muss wohl wieder auf den Weg gebracht werden, dieses Mal aber an den echten Sandmann. Und der sitzt in Erfurt:
KI.KA
Post für den Sandmann
99081 Erfurt

Gleich morgen früh wird er eingeworfen.

Post für den Sandmann

Jeden Abend das gleiche Ritual: Familien versammeln sich vor dem Fernseher und schalten KIKA ein, Punkt 18.50, manchmal auch später. Piraten kauen noch an der Wurststulle, Prinzessinnen schlürfen einen Fencheltee. Der erste spannende Moment ist der, in den das gelbe Sternchen durch die Studiodeko saust und Bilder von anderen Kindern bringt. Die Hektik wird weniger. Was wird es dieses Mal sein? Das Baumhaus, der kleine König, Lola Langohr? Immer öfters heften die Kiddies jetzt Fotos von sich an die Bilder.
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Sandmann, lieber Sandmann…

Ich habe mich immer gefragt, was eigentlich mit dem Sandmann geschehen ist, damals nach der Wende. Von einem Tag auf den anderen war er nicht mehr da. Hatte er sich verbittert aus dem Business zurückgezogen, das ihm in vierzig Jahren seine größten Triumphe und wenige Niederlagen beschert hatte? War eine harte Zeit damals: „Nicht niedlich genug“, hieß es, „zu wenig Einfühlungsvermögen“, hieß es. Harte Vorurteile und dann der Karierreknick, als der Streusandonkel aus dem Osten einen glatten Durchmarsch hinlegte.

Die schlimmsten Befürchtungen bestätigten sich gestern beim Zoobesuch in Hagenbeck. Abgetakelt steht er da auf einer Wolke aus Pappmache, den leeren Blick irgendwo auf einen Felsen zwischen Elefantengehege und Pfauenwiese gerichtet.

sandmann.jpg

„Nun liebe Kinder gebt fein acht, ich hab Euch etwas mitgebracht“… Das ehedem so glänzende Motto, da war es wieder, runtergebrochen auf drei Wörter Rummelplatz-Rhetorik. Ich schoss ein verschämtes Foto und zerrte die Kinder weg von diesem Ort des Trübsinns und des Fremdschämens.