Beeindruckende Ohren, freundliches Gesicht – Tscheburaschka ist so eine Art östlicher Urahn der Teletubbies, trägt aber dort, wo die BBC ihren Viechern einen Fernseher spendiert hat, die russische Seele. Ein Knopfdruck genügt und schon erklingt ihre Weise auch in Hamm Nord: Теперь я Чебурашка…
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Wie viele andere meiner Generation bin ich mit den Hörspielen von Europa aufgewachsen: Onkel Toms Hütte, Moby Dick, Die Schatzinsel, Robinson Crusoe, Winnetou, Robin Hood, Aladin und die Wunderlampe… zuerst auf Schallplatte, dann auf Cassette. Die klassischen Hörspiele hat meine Mutter vor vielen Jahren an die Familie weitergegeben. Die futuristische Commander Perkins-Serie war nichts für meine Cousins und Cousinen, die hab ich immer noch.
Europa hat die Originale in den letzten Jahren nach und nach wieder aufgelegt. Und ich muss sagen: erschütternder Stoff. Blutrüstig, brutal, FSK 18! Und dabei ist das nicht mal die Gruselserie von H. G. Francis.

Nach und nach fällt mir ein, wie zähneklappernd das alles war: Santer am Marterpfahl, Aladins Bruder, der von der Räuber zuerst geviertelt und dann von einem Flickenschuster wieder zusammengenäht wird, die Neunschwänzige auf der Bounty. Eindrucksvoll auch die Exekutionsszene des Schiffsjungen Tom auf der Schatzinsel:
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Kein Zweifel: Die Sprecher haben alles gegeben. Was waren die 70er Jahre brutal. Und ich rege mich über Bushido und Co auf. Kinderkacke allesamt. Europa sollte auf den Index!
Wisst Ihr, was echt hart ist? Wenn die große Tochter direkt nach dem Aufstehen (heute 6.15 Uhr) alle ihre Bilder, Collagen und Zeichnungen aus dem Kinderladen präsentieren möchte. Die Tasche wurde ihr zwecks Leerung gestern von den Erzieherinnen mitgegeben. Sie stecken alle in einer Baumwolltasche mit der Filz-Aufschrift L E O N I E.
Die Tasche ist prall gefüllt. Ihrer sind Legionen: ausgemalte Mandalas, Krakelzeichnungen, ausgeschnittene Schafe, die fein mit Wolle betupft sind, Selbstportraits, Burgen, Prinzessinnen. Alles super, aber um 6.15 Uhr ist der Input einfach zu groß.
Wie können Kinder nur so topfit und begeistert sein, um diese Uhrzeit? Und wie überstehe ich die zweite Bildersession heute Abend… wir haben nämlich nicht einmal die Hälfte geschafft. Fadenscheinige Vorwände (murmel…. “ich mach mal eben Kaffee”) ermöglichten mir nach circa 50 Bildern die Flucht in die Küche.
Ein nahe liegendes Gedankenspiel, das Netzwelt-Macher Frank Patalong in Als die Dose unser Leben veränderte treibt, aber er hat recht:
Vergleichen Sie: Ihr Leben 1980 und heute
Man muss sich so etwas selbst einmal klar machen: Wir sind eine Generation, die eine Veränderung der Lebenswelt durch Einführung einer neuen Technik erlebt hat, wie es sie seit Erfindung des Automobils nicht mehr gegeben hatte.
Gerne komme ich der Aufforderung nach einer “Anekdote aus der digitalen Frühzeit” nach, wähle aber lieber das Jahr 1986.
Seit den späten 70er Jahren besuche ich regelmäßig die Stadtbibliothek Bremerhaven. Mir gefällt die Atmosphäre zwischen all den Bücherreihen, die Stille, der Geruch von Papier und Wissen. Ich bin stolz auf die Reihe von Stempeln auf dem Ausweis: 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86… der Papier ist übersät von Jahreszahlen und meine Leidenschaft klar. Ich weiß, was ich werden will!
Im großen Lesesaal greife ich zu einem Berufsratgeber, der damals auch kostenlos an Schulen verteilt wurde, ein fleddriges Ding auf Umweltschutzpapier. Ich setze mich an einen der vielen leeren Tisch und blättere. Ich möchte Bibliothekar oder auch Archivar werden (nach Erzbischof in den 70er Jahren mein zweiter großer Berufswunsch). Aber was steht dort geschrieben: Ein Bibliothekar muss sich zwingend mit Datenverarbeitung auseinandersetzen, gleiches gilt für den Archivar.
“No, no, never!” grummele ich, schlage den Kopf in das Pali-Tuch ein und beschließe, die Sache mit dem Beruf für eine Weile zu vertagen und erst mal ans Gymnasium zu gehen.
Der Vergleich zwischen damals und heute erübrigt sich mit dieser Anekdote, schätze ich…
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