Erfahrungsbericht: Videoschnitt unter Ubuntu mit Kino, Jabler und Avidemux

Cutter, Cineasten, HD-Freaks bitte mal weghören: Vor einigen Tagen hatte ich ein Low-Buget-Erlebnis der besonderen Art. Ausgerüstet mit einer Canon IXUS 70, einem Stativ und viel Enthusiasmus habe ich ein Konzert und ein Interview aufgezeichnet. Zu Gast im Haus Drei in Altona war Cem Çelebi, einer der virtuosen Baglama-Spieler aus Istanbul. Da lag die Idee zu einem Interview nahe.

Eine halbe Stunde lief die IXUS für den Talk und zeichnete auf einer vier Gigabyte SD-Karte speicherintensiv Bild für Bild in Motion JPEG-Qualität bei einer Größe von 320×240 Pixel auf. Und was soll ich sagen: Oh Wunder, die billige Consumer-Digicam hat durchgehalten. Keine Aussetzer während des Interviews! Auch der Akku hielt tapfer durch.

In puncto Videoschnitt unter Ubuntu kommen einem Programme unterschiedlichster Couleur entgegen: Cinelerra, Jahshaka oder auch Kino. Ich habe mich nach einer Stunde Testlauf für Kino entschieden. Das Programm macht unter Ubuntu 8.10 einen stabilen Eindruck und ist nicht überfrachtet. Die Nutzeroberfläche ist gewöhnungsbedürftig, aber aus einem Guss, während Cinelerra mit jeder Menge für Einsteiger schwer durchschaubarer Programmfenster aufwartet.

Die Kino-Software pumpt beim Importvorgang der AVI-Dateien aus der IXUS alle Videos auf DV-Größe auf. Das kostet ordentlich Platz und nervt etwas, weil eine halbe Stunde Interview-Material so von knapp vier auf sechs Gigabyte Daten anwächst und zudem erst einmal umgerechnet werden will.

Kino bietet im Gegensatz zu den anderen Programmen auch keine Timeline. Das wird den einen oder anderen Schnittmeister sicherlich zurückschrecken lassen. Aber die FX-Sektion für Video und Audio lässt sich trotzdem intuitiv bedienen. In einer Vorschau sieht man, was für Auswirkungen ein Videofilter wie Ein- oder Ausblenden auf eine Szene hat. Sollte ein Cross-Fade nötig sein, werden auch zwei Szenen aus dem Storyboard in der Überblendung angezeigt.

Eine besondere Herausforderung bei der Unternehmung war die Übersetzung des türkischen Interviews in deutscher Sprache. Hier habe ich auf ein Java-Programm namens Jubler zurückgegriffen. Der Vorteil: Das Tool läuft unter Linux, Mac und Windows und half uns dabei, die Übersetzung unter Windows anzufertigen und dann als subtitles_interview.ass in Avidemux zu importieren. In diesem hervorragenden Allzweck-Tool wurden die Untertitel dann in die Videodatei gerechnet. Das Ergebnis wird in den nächsten Tagen auf der brotkrumenspur veröffentlicht.

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www.brotkrumenspur.de

Works in Hamburg. playing an old Fender Telecaster and likes to hang out with Ubuntu Linux and iOS music apps. Follow me on twitter @jensfliege or app.net

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