Schwarze Flächen

Schrullige Eigenheiten werden mir erst bewusst, wenn ich sie kaum noch an den Tag lege. Als ich jung war, streifte ich durch die Buchläden, immer auch auf der Suche nach großformatigen Bildbänden. Man hatte Zeit, war im Kern unruhig. Eine gewisse Stille kehrte bei der Betrachtung ein. Das war willkommen.

Als wir am zweiten Januar-Wochenende mit der Guete Aufnahmen in Eilbek machen wollten, regnete es in Strömen. Der Schlüssel zum Studio fehlte und so ließ Felix, Mischer und Inhaber, uns in in eine Art Atelier, damit er in Ruhe auf die Suche gehen konnte. An den Wänden des großen Raumes hingen Bilder, die eine beachtliche Fläche aufwiesen. Und obwohl dieses Mal keine Perspektive, kein “ins Land gucken”, möglich war, stellte sich das alte Gefühl von Sammlung wieder ein.

Rickmer und Peter
“Rickmer und Peter”

Felix erklärt später, dass die großen Formate allesamt von seinem Freund Jochen Hein stammen und dass er es sich leisten könne, sie beisammen zu halten. Der Kunstmarkt sollte der Gemälde nicht habhaft werden und die Portraits in alle Winde verstreuen. Geplant sein, alle Bilder irgendwann an ein Museum abzugeben. Er führt uns in einen zweiten Raum. Noch mehr Bilder…

Kopp
“Kopp”

Die Gliedmaßen treten allesamt aus dem Nichts hervor, die Gesichter sind in einem Augenblick eingefasst, der die Person charakterisiert. Das begrenzte Aufleuchten des Lebens erscheint, individuell und deutlich in aller Eigenart erkennbar. Und doch nivelliert die Maltechnik die Aussage: Wir kommen aus dem Nichts, wir gehen ins Nichts – allesamt.

Jessine
“Jessine”

Ob diese Schwärze auch ein Weiß sein könnte? Und dann diese Hände, deren Haltung allesamt an Zitate alter Meister erinnern. Da sie in keinem öffentlichen Raum zugänglich sind, kann man sagen: Gottlob, es gibt das Netz: Jochen Heins Portifolio bei Artdoxa.

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