Immer wieder gibt es Tage, an denen ich aus beruflichen Gründen gezwungen bin, ein Flowchart-Diagramm zu basteln, um eine Struktur zu erklären. Das Standard-Programme dafür auf (fast) jedem Office-Rechner ist ein Programm, das ich umständlich in der Bedienung und veraltet in der Anmutung finde: Microsoft Visio.

An solchen Tagen geht mein Blick stöbernd ins Netz in die Diskussionsforen, um mir mit einigen Tipps ein paar Anregungen für Freeware-Alternativen zu verschaffen. Ein Artikel von Dr. Web listete vor einiger Zeit eine stattliche Anzahl von Tools auf. Aber das eleganteste Programm fehlt: yEd aus Tübingen.
Die Freeware (Download) auf Java-Basis [1] ist eigentlich nur ein Showcase für die Algorithmen der kommeziellen Y-Library.
Beeindruckend sind vor allem die automatischen Layouts, die das Programm aus eben mal hingerotzten Shapes und Verbindern zaubert. Im Laufe der letzten Jahre ist so ein Programm entstanden, das in seiner Form sehr durchdacht ist, extrem ökonomisch arbeitet und ständig weiterentwickelt wird.
Leider sind viele Begrifflichkeiten in den Reitern trotz deutscher Benutzeroberfläche schwer verständlich, die Anwendungsszenarien der Layouts klingen abstrakt. Wer weiß schon, was ein “orthogonaler Kantenleger”oder “UML und OWL” ist…
Damit die Arbeit trotzdem klappt, will ich hier für Ratsuchende kurz meine Erfahrungen schildern, damit das eine oder andere schneller gelingt, wenn mal eben eine Struktur her soll.
Wer von Visio kommt, sollte zwei wichtige Begriffe kennen: “Shapes” und “Verbinder”. Unter yEd werden Visios “Shapes” “Knoten” genannt, die “Verbinder” nennen sich “Kanten”. Das sind die beiden wichtigen Bestandteile eines Diagramms. Dazu gesellen sich Farben, Formen, Beschriftungen. Alles lässt sich recht schnell in yEd aneignen.
In yEd ist jeder Klick auf die Arbeitsfläche eine Formerzeugung. Das ist zunächst nervig, wenn man sich allerdings daran gewöhnt hat und das Programm mehr und mehr beherrscht, merkt man, wie schnell sich Flowcharts auf diese Weise erzeugen lassen.
Eine beliebte Form der hierarchischen Grafikdarstellung ist leider nur mit Insiderwissen zu erzeugen. De facto wurde mir die Vorgehensweise erst klar, nachdem ich yWorks in Tübingen kontaktiert habe. Dort wusste man sofort, was gemeint war, verwieß aber darauf, dass yEd nur ein Showcase sei und diese Funktion daher nicht gut dokumentiert ist.
Was genau ist die Herausforderung? Nun, wenn man eine einfache Hierarchie zwischen den Shapes mit einigen Verbindern erzeugt, können die Linien, also laut yEd die “Kanten”, auf folgende zwei exemplarische Weisen im Reiter “Layout” als Hierarchie ausgerichtet werden. Entweder im “Linienzug”:

oder “orthogonal”, wie hier dargestellt:

Wenn man allerdings eine Verbindung in dieser Form erzeugen will, muss man einen schlecht dokumentierten Weg in yEd beschreiten:

Der Trick besteht darin, wie mir Roland Wiese von yWorks verraten hat, dass die “Kanten” vor der hierarchischen Gruppierung in “Layout” in einen Gruppenmodus versetzt werden müssen, der sich “automatische Kantengruppierung” nennt. Er ist unter folgendem Pfad zu erreichen: Werkzeuge / Beschränkungen / Kantengruppierung. Die Konfigurationsmethode muss auf “automatisch” stehen.
Wenn das Dialogfeld mit “OK” bestätigt wird, passiert vordergründig nichts. Im Hintergrund werden die Kanten aber nun so berechnet, dass die abgehenden Kanten vom hierarchisch höher positionierten Knoten (Shape) nicht in den vielfachen Linien der zweiten Grafik zu den niederen Knoten führen. Statt dessen wird nicht eine abgehende Linie erzeugt, die sich dann verzweigt. Wer nun eine Ausrichtung der Knoten und Kanten mit den Layouts durchführt, wird feststellen, dass die optimierte Darstellung aus der dritten yEd-Grafikerzeugt wird. Eigentlich ganz leicht… wenn man’s weiß :)
Wer jetzt so richtig Lust bekommen hat, mit einem tollen Diagramm-Tool ein Flowchart zu basteln, sollte sich zuvor unbedingt Inspiration mit den “wirrsten Grafiken der Welt” holen. Das gibt’s zurzeit im Grabbel bei Zweitausendeins für 5 Flocken….
- (Cool ist auch der Web-Start (Start-Link), der das Programm direkt in jeder Plattform mit Java öffnet) (nach oben)
Sehr interessant, Jens. Ich behalte diesen Artikel mal im “Hinterkopf”. Danke ! Liebe Grüße Dirk
Hallo,
ich bin gerade auf deinen Artikel gestoßen und das Tool ist ja echt super! Allerdings fehlen mir ein paar Shapes/Knoten zB. für Firewalls und Router (will Netzwerkpläne erstellen). Ich finde keine Möglichkeit Icons zu importieren. Weißt du wie das geht?
Gruß,
Dirk
Icons importieren ist genau so simpel, wie man sich das vorstellt. Einfach ein neues shape auf die Arbeitsfläche klicken und dann in den Eigenschaften (default rechts) ganz oben im Dropdown-Feld “Typ” den Begriff “Bild” auswählen und dann unten im Dialog bei “Bild” “Weitere” ein Icon von der Platte zuweisen. Dabei lassen sich sowohl Vektorgrafiken, als auch pixelbasiertes Zeug wie PNG oder GIFs zuweisen.
Ich empfehle dafür einen echten Geheimtipp: http://www.iconfinder.net – die beste Icon-Suchmaschine draußen im Netz.