Monthly Archive for Oktober, 2007

Süßes oder Saures?

Draußen streichen sie wieder rum, Horden von Kinder, kurz nach dem Einbruch der Dunkelheit. Früher gab es Sankt Martin um diese Zeit. Die Kinder bastelten Laternen und hörten sich alte Geschichten von frierenden Menschen an, denen geholfen wurde. Vielleicht gab es auch ein Martinsfeuer auf einem Feld in der Nähe der Grundschule, auf jeden Fall aber einen stillen Umzug mit Gruppengesang im Blättermatsch: “Sahankt Martin, Sahankt Martin…”

Heute schminken sich die Kiddies auf Aggro. Nicht Nächstenliebe ist ihr Gebot, sondern das Abziehen von Süßigkeiten, verstaut in prall gefüllten Aldi-Tüten. Ist schon eine tolle Horrorshow, dieses Halloween. Und jedes Jahr nehmen die Harry Potters und Michael Myers auf den Straßen zu.

Der “Mull of Kintyre”-Test

Gerade stolpere ich bei Spiegel über einen alten Wings-Titel, der eine verborgene Nähe zu Selbstzensur und Erektionswinkel hat: Mull of Kintyre. Diese kleine, sinnlose Information verstaue ich in einem entlegeneren Teil meines Hinterstübchen, wahrscheinlich direkt neben dem kleinen Soundeditor-Witz Wilhelm-Schrei.

“One Laptop per Child” im Videocast

Ein geraffter Blick auf eine der innovativsten Entwicklungen der letzten Monate: der OLPC (one laptop per child), ein faszinierendes Stück Hardware, das Kindern in Schwellenländern ein Stück Hightech in die Klassenzimmer bringen soll.

Der OLPC kann in einem Patenschaftsdeal erworben werden. Nach dem Motto: “Give 1 Get 1″ lässt sich er ab 12. Novemeber über diese Seite bestellen. Das Laptop kostet im Doppelpack 200 US-Dollar, wobei ein Exemplar zugestellt wird, das andere sich aber auf den weiten Weg nach Afrika macht, um irgendeinen Kraal mit dem 21. Jahrhundert zu vernetzen.

Buñuel auf DVD und im TV

Eine Zeitlang gab es nur das klassische “Belle de Jour” in der Cinemathek der Süddeutschen Zeitung. Doch so nach und nach werden Filme von Luis Buñuel zugänglicher, auf DVD veröffentlicht. Ganz frisch auf den Tisch gibt´s jetzt eine DVD-Box mit Buñuel-Filmen aus den 50er Jahren, die schlicht Mexico getitelt ist und auf die Migrationszeit des Regisseurs anspielt.

Wer einen tiefen Atemzug Irritation in das Werk des Spaniers tun will, sollte Montag Nacht zu Arte zappen. Dort läuft Simon in der Wüste, ein befremdlicher Film über einen Prediger in der Wüste, der vom Teufel in Versuchung geführt wird. Ich erinnere mich noch gut daran, wie der Film auf irgendeiner Retrospektive im Zusammenhang mit dem berühmten Chien Andalou Anfang der 90er lief. Simon steht stoisch wie ein friesischer Fregattenkapitän auf einer Art Säule in der Wüste und lässt sich vom Sturm der Versuchung nicht kapern.

Eines haben alle Buñuel-Filme gemeinsam: einige Bilder bleibt haften. Das hat sicherlich mit einer Atmosphäre der Befremdung zu tun, die Buñuel bis zur Perfektion aufbaut. Da Simon in der Wüste um 01.45 Uhr läuft, sei hier für alle ohne Aufnahme am TV-Gerät noch auf die Aufnahmedienste des Netzes verwiesen. Anders lässt sich der Kram sicherlich nicht leicht verkomsumieren.