“Fun ist ein Stahlbad”

Kulturen, bei denen Produktivität und Geldverdienen hoch im Kurs stehen, erzeugen typischer Weise ein Gefühl von Zeitdruck und ein Wertesystem, das individualistische Denken fördert. Menschen in Regionen mit einer blühenden Wirtschaft, einem hohen Industrialisierungsgrad, einer größeren Einwohnerzahl, einem kühleren Klima (…) bewegen sich tendenziell schneller (…) Je entwickelter ein Land ist, desto weniger freie Zeit bleibt pro Tag.

Ich möchte auf einen Podcast der SWR2 Wissensredaktion vom 24. April hinweisen, mit dessen Thematik Ihr sicherlich alle etwas anfangen könnt: Gas geben! (MP3) von Volker Demuth.

Der Autor fasst das Thema der immer stärkeren Beschleunigung in den hochentwickelten Industrienationen zusammen und stellt das Zeitempfinden dem Lebensgefühl der Maya-Nachkommen gegenüber.[1]

Wem der Podcast gefällt, dem sei noch das Abo ans Herz gelegt. Es ist kostenlos und bietet alle Wissensendungen der letzten Zeit als Download an.

  1. Bei einer Sache musste ich schmunzeln: Demuth führt beim Thema Freizeitstreß die Jugendkultur ins Feld und spricht von “HipHop-Beats mit 200 Beats pro Minute”. Was für Platten mag er gehört haben? Diese Art der Einflechtung jüngerer Lebensäußerungen erinnert mich daran, wie mir in einer Deutschstunde auffile, dass das gleichnamige Buch von Siegfried Lenz Rock ´n´ Roll-Musik in das Jahr 1954 verortet. Gute Autoren müssen also nicht zwangsläufig in allen Details lupenrein arbeiten. (nach oben)

2 Responses to ““Fun ist ein Stahlbad””


  • Interessant Jens, lade ich mir mal runter. Danke.

  • Hab’s mir jetzt angehört, Jens. Bis auf den für mich recht unpassenden Verweis zu den Völkern die mit der Zeit viel flexibler & “weniger eng” umgehen, hat mir der Beitrag gut gefallen.
    Wir sprachen ja schon öfter darüber. Ich denke es ist die Konditionierung “Höher – schneller – weiter”, die in unserer Kultur natürlich auch Auswirkungen auf “die Zeit hat”. Wir haben einen gänzlich anderen Anspruch an unser Leben. Würden wir uns mit den gleichen Dingen zufrieden geben, die auch die Menschen im Urwald haben, hätten wir auch reichlich mehr Zeit für andere Dinge. Vergleichsweise benötigen wir – mal so provokant in den Raum geworfen – Euro 300,- Miete (60 qm2, einfache Wohnung mit anderer Familie teilen) + Euro 400,- für Lebensmittel (Brot & Wasser, etwas Wurst) = also rund Euro 700,-. Für dieses Einkommen müsste man “bei uns” ca. 3 Stunden pro Tag arbeiten, den Rest hätte man frei für die Kinder, Familie usw.
    Die Rechung funktioniert aber nicht, weil wir anders als die Maya ein paar Dinge mehr vom Leben verlangen: Kino, Urlaub, Glotze & Gez, PC, private Krankenzusatzversicherung usw..
    Nur eben ist die Bereitschaft dafür ranzuklotzen unsere frei gewählte Entscheidung & der Preis den wir bezahlen ist in der Folge die in Teilen mehr oder weniger große Unfreiheit.

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