Ja, ich weiß, ich darf nicht meckern. Das ist unschick, altdeutsch und überhaupt, wer wollte sich denn diese leichte Unterhaltung aus der DVDthek ausleihen? Ja, ich… schon gut. Und trotzdem, ich will mich beklagen. Es gibt diese Unterhaltung da draußen (häufig genug flattert sie laut schnatternd aus dem Stechpalmenwald hervor), die ist derart berechenbar, dass ein geübtes Auge immerfort 30 Sekunden vor der Handlung ist. Und das klingt so: “Pass auf, gleich taucht dieser Journalist auf, den sie anhimmelt”. Oder: Gleich macht sie diesen “Respekt-Blick” und findet das Mädchen doch nicht so schlecht”. Oder auch: “Gleich kommt der Zeitraffer, in dem sie alle neuen Kleider vorführt.”
Vielleicht werden drüben auf der anderen Seite keine Drehbuchautoren mehr beschäft, sondern die typischen Dialogformen und Handlungsabläufe der Kinogeschichte aus einer Datenbank nach logischen Mustern zusammengesetzt. Das wäre eine Möglichkeit, die plausibel für diese Art Kurzweil erscheint.
Dabei gibt es frische Ideen. Das beweisen Filme wie Memento. Also: Etwas weniger Routine bitte! Ich will überrascht werden, zumindest durch ein, zwei bunte Farben, auch (oder gerade?) wenn die Kost des Abends “The Devil Wears Prada” lautet. Und ich will nie wieder subkutan dieses langweilige Hausmittelchen verabreicht bekommt mit der Aufschrift “DU KANNST ALLES SCHAFFEN, DU MUSST NUR AN DICH GLAUBEN!”. Bitte tu’ mir den Gefallen, oh Stechpalmenwald!
Tja, Jens, Du wirst es sicher ahnen. Mir hat der Film “Der Teufel trägt Prada” gut gefallen, und dort besonders die Botschaft. Für mich waren da gute Ansätze drin:
> Sag bei einer neuen Herausforderung nicht gleich nein, zeig Einsatz & schau erstmal ob es Deins werden kann.
> Sei ein Ausrufezeichen & zeige Deiner Umwelt deutlich an, wenn Deine persönliche Schmerzgrenze überschritten ist. Behalte bei allem was Du tust Deine Würde.
> Mach Dir klar was Dir wirklich wichtig ist in Deinem Leben, reflektiere Dein handeln.
> Gib’ den Menschen um Dich herum die Freiheit für ihr denken & handeln, und Du bekommst sie zu großen Teilen ebenfalls.
Natürlich ist in diesen Filmen auch immer eine große Portion “großes Kino”. Aber wenn Supermann über die Stadt fliegt, prüfen wir ja auch nicht, ob das realistisch ist ;-).
Einen noch:
Strickmuster im Film sind ja nix Neues. Wenn z.B. die Sissi mit ihrem Kaiser Franz in ein neues Land kam & die Bevölkerung dort auf den Kaiser ganz schlecht zu sprechen war, passierte im Film immer das Gleiche. Die Sissi sagt was Schlaues zum Volk & alle sind glücklich & jubeln dem neuen Kaiser zu. Muster ! … nicht nur Filme bestehen aus diesen ;-) …
Mir ist das reine Abfeiern von altbackenen Drehbuchstrukturen zu wenig. Es muss doch immer etwas Überraschung dabei sein. Das würde ich dann “Etwas dem Zufall überlassen” nennen, Dirk. In letzter Konsequenz hat das sogar etwas mit der Behauptung von Freiheit zu tun. Drei Anteile Routine, ein Teil Freiheit wären sicherlich eine gute Mischung für die Hollywood-Soße. Der eine Anteil Freiheit muss übrigens nicht in gewitzten Plots liegen, er kann sich auch aus schauspielerischer Freiheit zusammensetzen, die in den Charaktere einer berechenbaren Handlung zum Tragen kommt.
Der Teufel trägt Prahda ist unaufrichtig. Man kann nicht dem Teufel dienen und dabei im Grunde seines Herzens ein guter Kerl bleiben. Ein Beispiel aus der Wirklichkeit ist der Gang durch die Institutionen, der aus rebellischen Studenten angepasste Pfeffersäcke machte. Gleiches gilt für die Andy aus dem Film. Hier lügt das Drehbuch schlicht, wenn es behauptet, dass man das Spiel bis zum Megaerfolg mitspielen kann, dabei aber den wahren Kern nie verliert. Die These ist übrigens auch typisch amerikanisch. Wie oft haben Hollywood-Filme genau das vorexerziert. Kann man ja auch mal machen, aber bitte nicht als iideologische Unterfütterung in jedem zweiten Film subkutan verabreichen. Das empfinde ich als anstrengend.