“A column of air, focused on his breath”

Martin Scorseses Bob-Dylan-Dokumentation “No direction home” galt mein Fernseh-Interesse der letzten zwei Tage – 204 Minuten, die vor allem aus der Frühzeit des mürrischen Meisters stammen.

Schon “Don´t look back“, in das ich vor Jahren mal auf einem öffentl.-rechtl. Sender gezappt hatte, war beeindruckend. In Scorseses Film spricht Regisseur D.A. Pennebaker davon, wie geschockt Dylan bei der Freigabe des Films über den direkten Einblick in den Habitus des Sängers gewesen war. Davon hat sich bis in unsere Tage nichts verloren. Und das ist auch der Grund, warum “Don´t look back” (1965!) so frisch und unvermittelt wirkt.

“No direction home” ist dagegen in der Rückschau analytischer. Alle Protagonisten sind beständig versucht, das Ereignis “Dylan” zu erklären und für ein (junges?) Publikum transparent zu machen. Das beste Statement liefert Alan Ginsberg:

Dylan had become a column of air, so to speak, where his total physical and mental focus was this single breath coming out of his body … he had found a way in public to be almost like a shaman, with all his intelligence and consciousness focused on his breath.

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Wer Dylan nur aus “Blowing in the wind” und anderen “einfachen” Protestliedern kennt, sollte sich “Don´t look back” unbedingt mal ansehen. Das “Phänomen Dylan” wird schnell klar, wenn man ihn so zwischen Freunden, Fans und Journalisten in sich konzentriert und präsent agieren sieht.

In “No direction home” kommen vor allem die Folkies aus dem “Café Wah” zu Wort, die mit Dylan 1961/62 eine Bühne, bzw. ein Leben teilten. Toll ist der Sound, beeindruckend die Ablehung, die Dylan entgegenschlägt, als er mit Mike Bloomfield elektrisch wird. Die Interviews mit Joan Baez, Alan Ginsberg, Al Kooper und Pete Seeger durchbricht Scorsese immer wieder mit Ausschnitten aus einem offensichtlich gut dokumentierten Konzert in Newcastle, das die Ablehnung der elektrischen Pose noch offensichtlicher macht, als das Royal Albert Hall Concert. Kurzes Fazit also: Ein detailreicher Einblick in eine interessante Phase der Rockmusik, aber Geduld – es gilt, fast vier Stunden Dokumentation zu sichten.

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