Am Samstag war ich mit meiner Tochter zum ersten Mal in der Kibi, der Kinderbibliothek in den Grindelhäusern. Ich kannte diese Stätte des Wissens bereits aus meiner frühen Hamburger Zeit, also aus 2000, beziehungsweise 2001. Damals war sie allerdings noch eine piefige kleine Bibliothek für Erwachsene mit einer schmalen Video-Ecke gewesen (auf die hatte ich es abgesehen).

Da uns der Lesestoff zurzeit etwas eng wird und ich Gutes über die Umgestaltung gehört hatte, machten Leonie und ich uns also auf, ein paar Bücher auszuleihen. Die Jahresgebühr für die Lütte beträgt nur drei Euro. Dieser schmale Obolus reizte unser nicht minder schmales Portemonai. Also nix wie los.
Die Kibi hat mich dann völlig überrascht: Spieltisch, Regenbogenschatz und Treffpunkt der Kulturen. Die ganze Kinderbibliothek macht einen reichen, bunten und wohlhabenen Eindruck. Wie konnte dieser Ort in den letzten Jahren mitten in Hamburg eingerichtet werden? Woher kamen die Gelder? Ich ertappte mich sofort bei diesem irritierten, vorwurfsvollen Gefühl und musste mich am Schlafittchen aus der Misere ziehen.
Kein Zweifel – die Gehirnwäsche vom siechenden Sozialstaat, der den Nachwuchs um sein Erbe bringt, hat gefruchtet. Ich bin verdorben, verdorben von dem endlosen Geschwafel zwischen Tagesthemen und spiegel-online. Wir haben Geld, kein Zweifel. Wir sind reich! Und wer es sehen will, soll in die Kibi kommen und es sich dort eine Weile auf den weichen Kissen in der Vorleseecke bei einem Asterix-Comic oder einem Prinz Eisenherz gemütlich machen… Lesestoff aus der Zeit, in der noch alles gut war, zumindest in finanzieller Hinsicht.
… sehr schöne Geschichte, Jens – danke.