Obwohl Radioprogramme von den meisten eher als “Informationshäppchen für zwischendurch” konsumiert werden, gibt es doch eine kleine Reihe standhafter Menschen, die die Nischenplätze des öffentlich-rechtlichen Runkfunks gerne aufsuchen und mit verklebten, müden Augen vor dem Radio hocken – beispielweise wenn es um die Sendung “Soundcheck” geht, die der Deutschlandfunk auf dem knallharten (Un)platz ab 1.00 Uhr nachts ausstrahlt.

Mit fortgeschrittenen Alter oder eben auch durch die Strapatzen, die Kinder oder/oder Job mit sich bringen, fällt es zunehmend schwerer, diese Termingeschäfte wahrzunehmen und so sind die Infotauschbörsen des Netzes, die so genannten Newsgroups (de.rec.hoerspiel de), immer wieder gespickt mit Anfragen wie “Hörspiel aufnehmen (zeitgesteuert), aber wie?” Oder: “Hilfe, Mitternachtskrimi vom 9.7. verpasst! Wer hat´s?”
Die sonst so verschwiegene, weil unterrepräsentierte Schar der Radiohörer (“Ja, ich hör da nur zu, das ist immer noch ohne Bild”) ergeht sich in den Threads immer wieder in der Frage, wie die beste Aufnahme zu erzielen sei. Meist geht es dabei um Programm- und Soundkarten-Konstellationen, mit denen das Hörspiel via Netstream oder über die TV-Karte mit integriertem Tuner mitgeschnitten werden kann. Doch es geht auch anders… traditioneller.
Obwohl ich als computerbegeisterter Zeitgenosse, lange versucht habe, den Rechner für Radioaufnahmen zu verwenden, konnte ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, den stromhungrigen Rechenknecht für etwas Audiomaterial nächtelang durchlaufen zu lassen, nur um eine einstündige Sendung auf die Festplatte zu bannen. Ist das nicht wie mit Schrotflinten auf Spatzen zielen?
Ich begann in der analogen Welt der Hifi-Komponenten zu suchen, die ich als Kind des letzten Jahrhunderts noch ausgiebig kennengelernt habe. Dabei nahm ich auch Aufnahmemedien an der Schwelle zum digitalen Zeitalter genauer unter die Lupe, etwa die MD oder die DCC (wer erinnert sich noch?) . Einige dieser Geräte, zum Beispiel mein altes Tapedeck, können bei Stromzufuhr in den REC-Modus gehen – keine schlechte Funktion. Eine Zeitschaltuhr wirft die ganze Anlage an und eine Cassettte schneidet die Radiosendung mit.
Cassetten haben allerdings den Nachteil, dass sie am Ende des Tonbands auf die zweite Seite wechseln müssen, um eine Aufnahme fortzusetzen. Eine kurze Pause entsteht, unwiderruflich verlorenes Sendematerial… unbefriedigend. Also war mein Technics Tapedeck kaum erste Wahl. Der DCC-Player von Philips konnte nicht einmal mit einem REC-Schalter aufwarten. Dabei war das Ding war mal richtig teuer gewesen!
In dieser Situation erinnerte ich mich daran, dass ein Freund Anfang der 90er Jahre seinen Videorekorder für Radio- und CD-Aufzeichnungen zweckentfremdet hatte. Die Idee war gut. Ein Videoband, das mit einer Länge von mindestens 240 Minuten aufwartet, ist in der Lage, nahezu jedes Sendeformat ohne Pausen und in Hifi-Qualität aufzuzeichnen. Zudem verfügen Videorekorder über eine aufgereifte Timer-Funktion, die nahezu jedes Aufnahmeszenario berücksichtigt – ein pefekter Kompagnon also, wenn auch altertümlich analog.
Die ganze Sache hatte leider einen Haken: Mein JVC HR-J668 arbeitet, wie jedes VCR-Gerät aus den späten 90er Jahren, über ein so genanntes “On-Screen-Menü”. Sowohl Uhrzeit, als auch Timer-Eingabe erfolgen bildgesteuert über eine Bildausgabe am Fernseher. Ein echter Nachteil für Radiofreunde, wie sich schnell herausstellte. Wie soll man eine Uhrzeit stellen, wenn sich Hifi-Anlage und Fernseher Luftlinie 15 Meter auseinander befinden? Eine am Fernseher eingestellte Uhrzeit muss geschwind in Richtung Hifi-Anlage getragen und mit Strom versorgt werden, sonst verbleichen die vier digitalen Zahlen wie ein Tamagotchi, das eine Woche lang nicht gefüttert wird.
Nach einem Stromausfall war ich es leid. Nicht nur, dass sich der Videorekorder nur mühselig über die Fernbedienung einstellen ließ. Er produzierte zudem einen verrauschten Ton, wie ich nach dem Abhören des ersten Mitschnitts über Kopfhörer deutlich wahrnehmen konnte. Ich beschloss, mich in einem großen Internetauktionshaus nach einem High-End-Rekorder aus der Zeit vor “On-Screen” umzusehen. Und mein Instinkt täuschte mich nicht. Es gab sie und das sogar reichlich.
Für viele Zeitgenossen ist der Videorekorder ein Relikt aus vergangenen Tagen, eine Art Tapedeck für den Fernseher – umständlich und antiquiert. Wer will sowas schon haben? 26,49 Euro kostete der HR-D530EG, eine ehemaliges Spitzenprodukt aus dem Hause JVC, das über ein aufklappbares Pult vollständig am Rekorder selbst zu bediennen war. Genau das, was ich wollte!
Um die Hifi-Anlage für Mitschnitte jeder Art zu optimieren, benötigte ich nun noch einen speziellen Tuner. Mir schwebe ein Gerät vor, das sich zu verschiedenen Zeiten an- und ausstellen konnte. Zudem sollte es, je nach Termin, unterschiedliche Radiosender aufruft können und zu guter letzt sogar externe Geräte mit Strom versorgen, sofern erforderlich – ein hoher Anspruch an eine ungewöhnliche Ausstattung. Ich mailte circa 50 Verkäufer an, um näheres über nicht deklarierte Timer-Features herauszufinden:
“Hallo XYZ, ich bin auf der Suche nach einem Tuner, der eine Timer-/ Weckfunktion für externe Geräte (verschiedene Radio-Aufnahmen) besitzt. Kann Dein Gerät mit einer derartigen Funktion aufwarten? Wenn ja, würde ich mich über ein, zwei Details zu dieser Funktion freuen. Gruß Jens”
Da die meisten Verkäufer nicht wußten, ob sich eine “Weckfunktion” an Bord ihres Tuner befand, musste ich wieder in die Newsgroups abtauchen und die unzähligen Einträge nach Erfolg versprechenden Exemplaren durchsuchen. Ein französischer Newsgroup-Eintrag brachte mich auf einen Kenwood-Tuner namens KT-2030L. Dieser Tuner sollte nicht nur einfach eine Sleepfunktion besitzen, sondern mit deutlich mehr Einstellmöglichkeiten aufwarten- eben programmierbar sein. Ich erhielt den Zuschlag für den Tuner (10 Euro) binnen weniger Tage (es gab nur zwei Exemplare). Kurz danach konnte ich ihn in die neue Hifi-Anlage integrieren. So musste mein moderner, aber unflexibler RDS-Tuner einem altertümlichen Radio mit ungewöhnlichen Mögichkeiten weichen.
Der erste Eindruck des Tuners ist wirklich imposant. Das ganze Radio scheint um die Timer-Funktion herumgebaut worden zu sein. Es lassen sich die verschiedensten Zeitintervalle programmieren. Leider ist die Timer-Funktion, der Mode der frühen 90er Jahre entsprechend, nicht sonderlich intuitiv aufgebaut. Aber wenn man es erst mal geschnallt hat, lassen sich sechs verschiedene Sendezeiten inklusive individueller Senderwahl programmieren. Das ist schon allerhand.
Zwei Nachteile hat mein derzeitiger Aufbau. Zunächst müssen zwei Timer programmiert werden, einer am Tuner, der andere am Videorekorder. Das erfordert ein gewisses Maß an Konzentration und Übung. Zum anderen sind die Mitschnitte zwar von hoher Qualität Dank des JVC HR-D530EG. Allerdings müssen die Aufnahmen, sofern sie mobil verfügbar sein sollen, in ein digitales Format überführt werden – und das geht nur in Echtzeit vonstatten.
Im Prinzip läuft also jede Sendung zweimal. Zwei Überspielvorgängen müssen gemacht werden. Immerhin: Ein iriver H340 sorgt dafür, dass die Aufnahmen via Line-In ins MP3-Format wandern. Von dort werden sie dann in USB 2.0-Geschwindigkeit auf den Rechner übertragen, wo sie bei Bedarf mit Audacity nachbearbeitet, sprich geschnitten und normalisiert, werden.
Ich habe also auf den PC nicht komplett verzichtet. In der Produktionskette steht er allerdings erst an letzter Stelle, nämlich dann, wenn es um das Schneiden und das Tagging der Aufnahmen geht. Statt MP3 konvertiere ich zudem gerne nach OGG Vorbis, das ist platzsparender bei zugleich besserer Qualität.
Ganz ehrlich: Eigentlich warte ich auf´s digitale Radio samt dazugehöriger Hardware. Ich weiß auch schon genau, wie sie aussehen soll: Ein handliches Gerät, wie zum Beispiel mein DVB-T-Tuner von Technisat, mit einer eingebauten Festplatte. Abe das wird wohl noch ein, zwei Jahre dauern. Bis dahin nehme ich noch gerne mit meinen frisch verkabelten alten Haudegen vorlieb.

Hi Jens, sehr interessanter Bericht. Deine Zielsetzung war ja den Rechner nicht laufen zu lassen. Bei dieser Ausgangslage finde ich es gut gelöst. Ich selbst würde aber wohl die PC- Lösung mit TV/ Radiokarte + Timersoftware wählen. Euro 36,- Anschaffungskosten für Tuner & Videorekorder würden sicher auch eine lange Zeit die Stromkosten für eine Rechnerlösung decken (falls noch keine TV-Karte im Rechner drinsteckt, würde diese aber in etwa die gleichen Anschaffungskosten haben, hinkt also etwas, mein Argument). Zu den Stromkosten: Ich würde eine “PC- Aufnahme- Nacht” mit max. Euro 1,- Stromkosten bewerten (21.00 Uhr vor dem schlafen gehen PC einschalten, 07.00 Uhr beim aufstehen wieder ausschalten) – das wäre mir die Arbeitserleichterung wert. Bei allen Dingen zu denen ich keine Lust habe, kalkuliere ich für mich intern einen eigenen Stundenlohn. Wenn ich einen solchen bei dem Mehr- Zeitaufwand für die spätere Konvertierung in ein digitales Format zu Grunde legen würde, wäre die Rechnung für mich satt im minus. Aber egal, Du hattest ja einen anderen Ansatz & den Spaß daran eine alternative Lösung zu entwickeln.
Hi Dirk,
> Euro 36,- Anschaffungskosten
Tuner geht plus minus null raus, habe den anderen verkauft
> max. Euro 1,- Stromkosten
Aber was ist mit der Umweltsau in uns allen. Muss das denn sein? Die ganze Nacht?
> Mehr- Zeitaufwand für die spätere Konvertierung
Kein Argument: Auch beim stream aus dem Netz muss man schneiden, wenn´s sauber sein soll.
> Spaß daran eine alternative Lösung
Stimmt. Das stand im Vordergrund. In zwei Jahren habe ich einen digitalen Radio-Empfänger mit einer 80 GB-Festplatte und IP für das lokale Wlan-Netzwerk…
Hallo Jens,
mal nachgehakt, die 2 Jahre sind um. Hast du jetzt eine kommerzielle Lösung für oben genanntes Problem gefunden?
Schöne Grüße,
Cosmo
Hallo,ich habe genau so einen funktionstüchtigen VCR geschenkt bekommen um mit disem Gerät die eine oder andere VCR-Kassette anzuschauen oder aufzunehmen.
Die Sache hat nur einen Haken !!!
Hat für dieses Gerät noch wer eine Bedienungsanleitung die mir per Mail oder anders gesendet werden könnte???
MFG Gadringer Andreas
Ich nutze den VCR nicht mehr, bin umgestiegen auf Podcasts, DAB-Receiver und Sat-Festplatte-Aufnahme. Ich erinnere mich, dass ich auch etwas gefummelt habe, bis die erste Aufnahme lief. Aber es lässt sich aus sich heraus verstehen, hatte ebenfalls kein Manuel zu Hand.
Hallo Jens,
nach einigem Surfen bin auf diesen Eintrag gestoßen, weil ich einen KT-2030L geerbt habe, der noch gut läuft. Aber mir fehlt die Bedienungsanleitung, die wir bei der Haushaltsauflösung meines Grossvaters nicht gefunden haben – und wie Du angemerkt hast, ist da nichts intuitiv zu bedienen – nur die Stations-Speicher hab ich noch ohne Anleitung belegen können. Aber ich würde gerne die Timer-Funktionen nutzen.
Da Kenwood mir auch nicht helfen kann (die haben die von Anfang der 90er Jahre nicht mehr im Downloadbereich), hätte ich Interesse an Deiner Bedienungsanleitung – egal wie – Kopie, Scan, Original !
Ich würde mich freuen, wenn das möglich wäre!
Viele Grüße
Thomas
Oh Thomas, ich hatte auch keine Bedienungsanleitung dafür. Alles per Try & Error erkundet. Das ist jetzt aber so lange her… und ch nutze diesen Weg nicht mehr. Das Ding steht eigentlich nur rum…
Hallo,
ich bin auf der Suche nach dem Service-Manual des KT-2030L.
Hat das vielleicht jemand ?
Die bedienungsanleitung für das Gerät habe ich (Original) und könnte ich auf Wunsch einscannen.
Gruss