“Ich bin ein Gewohnheitstier.”

Søren ist einer von vielen, die jeden Tag beruflich und privat mit Rechnern zu tun haben, einer von denen, deren Alltag sich trotz Feuilleton und Hagebuttentee immer mehr in Richtung Netlife umbaut.

Da sich mit dem Anschalten des Computers nicht automatisch kognitive Strukturen ausschalten, ist Søren auch einer aus der Herrschar derjenigen, die daran denken, Microsoft den Rücken zu kehren.

Der Unterschied zu den meisten anderen: Søren hat ein konsequentes Jahr mit KDE und Konsole hinter sich. Sein digitales Ich in dieser Zeit: eine der verbreitesten Distributionen im deutschsprachigen Raum: Suse 9.2.

Seit einigen Tagen bootet er wieder in Windows XP hoch. Während des Rückbaus hatten wir viel Zeit, über seine Motivationen zu sprechen.

Sören bei der Installation
Søren während der Migration auf Windows XP

Brotkrumenspur: “Zwölf Monate hast Du Dich sowohl privat, als auch beruflich auf das Experiment Linux eingelassen. Seit gestern bootest Du wieder in Windows hoch. Warum?”

Søren: “Zu Linux hat mir ein Mensch geraten, der sich in Rechner eindenken kann.

Brotkrumenspur (murmelt): “Wer das wohl sein mag….

Søren: “Ich habe das von mir auch gehofft. Ich hatte die Schnauze voll von Sasser und Sober, die meinen PC zu Schrott bissen, und ich wollte alles ohne Geld haben. Mit einem Wort: Ich bin ein Dau!”

Brotkrumenspur: “Harte Worte gegen Dich selbst.. Da spüre ich…”

Søren: “…Jetzt komm nicht wieder mit dieser alten Protestantismus-Nummer…

Brotkrumenspur: “Nicht?”

Søren: “Naja, wie auch immer… in den vergangenen Monate ging ich durch eine andere Hölle. Ich kapiere wenig vom Konqueror, Audacity fehlte ein Plug-In, was immer das ist, zum Aufnehmen, OpenOffice verschluckte Textteile oder formatierte sie um, wenn ich sie (wohlgemerkt im RTF-Frmat an Windows-Rechner schickte, selbstdefinierte Tastenschlüssel speicherten sich nicht richtig ab, der USB-Stick war nicht kompatibel mit meinem UND Wibkes Rechner (A. d. R.: die Freundin). und vieles andere mehr. ”

Brotkrumenspur: “Du Armer, die Foren sind voll mit Hilferufen dieser Art.”

Søren: “Mit noch einem Wort: Diese meine Nebenhöllenentzündung ist nur zu kurieren durch intensives “Immer-Weiter-Frickeln” und “Konsolen-Kennenlernen”. Und das nach Möglichkeit mit einem Lehrgang UND laufendem Support des Betriebes. Der Betrieb bin aber nun mal nur ich und von mir ist nicht viel zu erwarten. Die Zeit habe ich nicht und wohl auch nicht ein Rechner-kompatibles Denken. zudem immer das Umdenken mit den Windows-Rechnern im NDR.

Brotkrumenspur: “Du hättest Dir die Zeit nehmen sollen. Sicherlich wärst Du weiter gekommen.”

Sören bei der Installation 2
“Bill Gates hat mich zum Untertan gemacht.”

Søren: “Ich bin ein Gewohnheitstier. Bill Gates hat mich zum Untertan gemacht. Jetzt also schmore ich wieder in der Hölle mit den vielen Fenstern. Vielleicht sehne ich mich bald zurück. Doch ich schmore eben mit vielen, das lindert die Schmerzen.”

Brotkrumenspur: “Was hat Dich damals an Linux gereizt? Kanntest Du das Betriebssystem?”

Søren: “Nein, kannte ich nicht, sah hübsch aus und erschien mir mit Witz und Spaß gebaut… der Rest, na ja, das hab ich ja schon erzählt.”

Brotkrumenspur: “Gibt es etwas, das Linux aus deiner Sicht besser macht, als ein aktuelles Windows-System?”

Søren: “Das kann ich nicht beurteilen, erschreckender Weise. Ich glaube, es ist in seiner Art und Weise selbstbestimmter. Aber das ist aber nur ein vager Eindruck.”

Brotkrumenspur: “Könntest Du Dir vorstellen, Linux in ein, zwei Jahren noch mal eine Chance zu geben?”

Søren: “Joop, definitiv. In zwei Jahren, dann mit Lehrgang vorab. Die Idee von Linux find ich weiterhin sehr, sehr wunderbar. Und an manch nettes Features von KDE habe ich mich schon gerne gewöhnt.”

7 Responses to ““Ich bin ein Gewohnheitstier.””


  • Hi Jens, das ist ein Beitrag der mir sehr gut gefällt. Nicht, weil er meine Position als XP Nutzer stärkt (was zu billig wäre) & Bills Fenstern den Rücken stärkt, sondern weil Søren Tagesprobleme schildert, auf die ich auch keinen Bock habe (z.B. auch den Datenaustausch mit “Bill Rechnern der Kollegen).

  • Der Beitrag gefällt mir auch sehr gut, weil er mir zeigt, wie leicht man wieder verleitet wird, den richtigen Pfad zu verlassen, nur weil er den leichteren Weg bedeutet. Irgendwer (Bill Gates?) hat entschieden, dass der Computer einfach nebenher laufen muß. Niemand muß sich tiefer damit beschäftigen. Ja, auch ich habe noch Probleme mit propietären Dateiformaten auf meinem System. Na und? Es sind ja nur Filmchen, die ich nicht sehen kann, davon geht die Welt nicht unter. ;-)

  • Naja, wer ein Auto kauft, will sich auch nicht mit der Technik dahinter beschäftigen. Es reicht, dass man das Fahrzeug durch den Verkehr bewegen kann. Trotzdem ist es selbstverständlich immer besser, mehr von einer Sache zu wissen/zu verstehen. Das spart im Zweifelsfall sogar Geld: Tapezieren, Tischlern, Kochen, Computer einrichten, Reifenwechsel…

  • Aber wer Auto fährt, hat vorher einen Führerschein gemacht.

  • Schild an an der Media-Markt-Kasse:
    “Legen Sie bitte beim Kauf eines Computer Ihren PC-Führerschein unaufgefordert vor. ”
    Für Windows Vista müssen alle älteren Semester mit Windows 3.x-Lappen eine Nachprüfung online absolvieren.

  • … und wer Linux installieren möchte, muss zunächst einen Nachweis von mindestens 4 Wochen – für die PC Bastelei frei verfügbaren – Jahresurlaub nachweisen. Soll ich das jetzt wirklich abschicken ? Ja, ich tue es ;-) !

  • –> plonk
    Bitte den Troll-Thread im Heise-Forum fortsetzen.

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