Es gibt Dialoge, bei denen man schon weiß, wie der nächste Satz lautet. Diese Vorahnung ist quasi ein immanentes Prinzip von Sprache und hilft auch beim Entschlüsseln ungemein.
Eine Formulierung, die mir gestern begegnete und die klar auf eine bestimmte Redewendung hinauslief, war der Satz: “Ja, und das hat er dann anstandslos bezahlt.” Die Wörter liefen Bruchteile von Sekunden, bevor mein Gegenüber sie sprach, durch mein Kopf und blieben beim Wort “anstandlos” hängen….
Wieso anstandlos? Müsste es nicht heißen “anspruchslos” oder “ohne Murren”. Besser wäre vielleicht auch “umstandlos”. Vielleicht hat sich irgendjemand mal verschluckt und aus dem “um” wurde ohne Sinn und Verstand ein “an”?
Das Online-Wörterbuch übersetzt das seltsame Wort passend mit “without difficulty”. Dass da etwas bezahlt wurde, zeugt aber im Gegenteil von Anstand, also daher: “Und das hat er dann mit Anstand bezahlt.”
Ich hätte es vielleicht nicht anders formuliert. Woher mag diese Sprachschleife stammen? Sehr sinnig scheint sie mir auf jeden Fall nicht.
Sehr interessant, Jens. In Spanien habe ich mal ein interessantes Gespräch mit einem holländischen Reiseleiter gehabt. Er sagte: Ihr Deutschen seit schon manchmal sehr seltsam. Wenn Ihr z.B. ein Hotel lobt, dann sagt Ihr nicht “das ist schön” oder “das gefällt mir”, sondern z.B. “… da kann man jetzt wirklich nicht meckern”" …
Liebe Grüße
Dirk
“Deutsche Sprache schwere Sprache”
Da verwundert es nicht, dass wir uns in Anglizismen flüchten.
So, nach einmal schlafen bin ich der Meinung, es müßte tatsächlich “beanstand(ung)slos” heißen, vielleicht wurde das Wort im Laufe der Zeit abgekürzt. Oder?
Das könnte es sein: “beanstand(ung)slos” klingt plausibel….
Verkürzung ist auch ein Prinzip nach dem Sprache sich weiterentwickelt.
Hallo Jens,
nach einer kleinen etymologischen Suche im Netz habe ich folgendes gefunden:
“In dem Wort Anstand steckt das Verb anstehen, und das wiederum bedeutet: sich hinten anstellen, warten, Geduld haben. Das mussten im 16. und 17. Jahrhundert auch die Krieger, wenn ihre Anführer mit dem Gegner einen Anstand, also einen Waffenstillstand, geschlossen hatten. Aus dieser Bedeutung “flieszt der begrif des zauderns, wartens, aufenthalts, der frist oder schwierigkeit, des bedenkens: die sache hat anstand, steht an”, heißt es in Grimms Deutschem Wörterbuch.(…)”
Das würde also heißen, dass jemand etwas ohne zu zögern bezahlt.
Viele Grüße aus der Redaktion,
Anke
Nichts zu machen, die Erklärung von Anke ist lückenlos, da kann der Hobby-Germanist nur staunen. ;-)